Deutscher Mieterbund
Kieler Mieterverein e.V.

Kiel, den 10.02.2006

Heizspiegel Kiel – Kieler Mieterverein mahnt Fortschreibung an
50 % aller Heizkostenabrechnungen mit Fehlern

Der Kieler Mieterverein bewertet den Kieler Heizspiegel als ein außerordentlich wichtiges Instrument, um für Mieter und Eigentümer Transparenz bei Energieverbräuchen und Heizkosten zu schaffen. Der Kieler Mieterverein bearbeitet jährlich rund 6.000 Betriebskostenabrechnungen, davon etwa die Hälfte im Bereich der Heizkosten. Und natürlich landen beim Mieterverein überwiegend hoch strittige Heizkostenabrechnungen mit weit überproportionalen Energieverbräuchen oder schwerwiegenden Abrechnungsfehlern. Dabei erweist sich der Heizspiegel insbesondere bei der Überprüfung von Energieverbräuchen als ein unentbehrliches Instrument. Dies hängt auch mit der Erkenntnis zusammen, dass die Spreizung des Raumwärmebedarfes im Wohnungsbestand immer weiter zunimmt. Waren vor fünf Jahren noch die Niedrigenergiehäuser mit Energieverbräuchen um die 70 kWh/m² ein echtes Highlight, so geht der Trend zwischenzeitlich weiter Richtung Passivhäuser mit Energieverbräuchen bis deutlich unter 30 kWh/m² und niedriger. Dem stehen Häuser und Wohnungen gegenüber mit Verbräuchen bis zu 300 kWh/m² und mehr wie in sie in der Beratung des Kieler Mietervereins immer wieder auftauchen.

Der Mieterverein stellt aber auch erfreut fest, dass der Energieverbrauch einer Wohnung immer mehr zu einem Auswahlkriterium auch bei der Neuanmietung von Wohnungen wird. So empfiehlt der Mieterverein wohnungssuchenden Haushalten schon seit langem, unbedingt darauf zu bestehen, dass ihnen vor Abschluss eines neues Mietvertrages die letzte Heizkostenabrechnung dieser Wohnung zur Einsicht vorgelegt wird. Häufig scheidet sich an dieser Stelle schon die Spreu vom Weizen – überdies kann sich der Mieter ein Bild davon machen, ob die mietvertraglich verlangte Vorauszahlung auch angemessen ist. Damit kann einem üblen Trick begegnet werden, mit dem einzelne Vermieter versuchen ihre Wohnung an den Mann zu bringen, indem sie Heizkostenvorauszahlungen unrealistisch niedrig ansetzen und somit ein günstiges Angebot vorspiegeln, dem unweigerlich hohe Nachzahlungen folgen.

Dies ist einer der Gründe dafür, dass der Kieler Mieterverein sich seit jeher für die Einführung des Energieausweises ausgesprochen hat. Dabei favorisiert der Kieler Mieterverein die Variante des „Bedarfsausweises“ der – losgelöst vom Verbraucherverhalten – Aufschluss über den tatsächlichen Energiebedarf gibt, während der von der Wohnungswirtschaft favorisierte „Verbrauchsausweis“ nicht in der Lage ist, das Verbraucherverhalten auszuklammern und insbesondere bei Gebäuden mit weniger als 7 Wohnungen keine objektiven Ergebnisse liefert, weil das Verbrauchsverhalten bei diesen Gebäudegrößen voll durchschlägt.

Im Bereich der Fehlerquellen von Heizkostenabrechnungen ist der Fantasie keine Grenze gesetzt: Falsch eingestellte Bezugsmengen und falsche Preise – nachgeholte Verbräuche, die in Vorjahren vergessen wurden, überhöhte Stromkosten, überhöhte Wartungskosten, falsche Quadratmeterangaben des ganzen Hauses oder der betreffenden Wohnung, fehlerhaft berechnete Warmwasserkosten, mitbeheizte sonstige Räumlichkeiten, die bei der Umlage keine Berücksichtigung gefunden haben, falsch abgelesene oder fehlende Heizkostenverteiler, geschätzte Werte, falsch berechnete Vorauszahlungen und schließlich auch Verbräuche, die deswegen überproportional hoch ausgefallen sind, weil das Gebäude schwere Mängel aufweist mögen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – die Vielzahl der Fehlerquellen anreißen. Dabei gilt in der Regel: Eine Abrechnung falsch gleich alle Abrechnungen falsch. Aus diesem Grunde hält der Kieler Mieterverein auch an seiner Einschätzung fest, dass sich in rund der Hälfte aller Heizkostenabrechnungen teils schwerwiegende Fehler befinden.

Der Deutsche Mieterbund hat vor wenigen Tagen den Betriebskostenspiegel für Schleswig-Holstein auf Basis der Abrechnungen des Jahres 2004 vorgelegt und damit auch Aussagen zu den Heizkosten getroffen. Als grober Anhaltspunkt kann danach für Heizung ein Wert von 71 Cent je m² als durchschnittlich angenommen werden. Bei verbundenen Anlagen kommen weitere 14 Cent je m² für Warmwasser hinzu, entsprechend 85 Cent. Ab 95 Cent je m² Raumwärmekosten gilt es aufzupassen bei verbundenen Anlagen zzgl. 19 Cent für Warmwasser, entsprechend 1,14 EUR. Bezogen auf die Heizkostenabrechnungen des Jahres 2005, die demnächst eintreffen, müssten diese Werte wegen der inzwischen eingetretenen Energiekostensteigerungen um 10 % - 15 % nach oben korrigiert werden.

Als Faustformel gilt im Übrigen: Je größer die Zahl der Wohnungen in einer geschlossenen Wirtschaftseinheit ist, desto relativ niedriger fallen die Heizkosten aus. Freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser liegen mit ihren Energieverbräuchen um bis zu 20% über dem Durchschnitt. Auch Dachgeschosswohnungen haben aufgrund ihres Lagenachteils einen bis zu 30% höheren Verbrauch als der Durchschnitt. Am günstigsten heizt es sich „in der Mitte“. Beheizte Wohnungen rechts und links, obendrüber und untendrunter machen es kuschelig warm. Da geht es Mietern wie den Pinguinen: Am Rand ist es deutlich kälter.

Verantwortlich: Jochen Kiersch, Kiel