Deutscher Mieterbund
Kieler Mieterverein e.V.

Kiel, den 28.02.2008

Wärmedämmung im Wohnungsbestand -
Kieler Mieterverein warnt vor übertriebenen Erwartungen

Zu der Presseberichterstattung in den Kieler Nachrichten vom 28.02.2008 teilt der Kieler Mieterverein mit: Grundsätzlich unterstützt die Mieterorganisation die nachträgliche Wärmedämmung älterer Gebäude mit hohem Energieverbrauch. Er teilt aber die Einschätzung von Haus & Grund sowie der Architekten- und Ingenieurkammer, dass dies mit Augenmaß geschehen müsse. Die wenigen ansehnlichen Fassaden, die es in Kiel noch gibt, sollten nur - wenn überhaupt - sehr behutsam gedämmt werden. Ausdrücklich weist der Kieler Mieterverein auf die Gefahren hin, die mit dem Einbau besonders luftdicht abschließender Fenster und weitere Maßnahmen gegen den Luftaustausch einhergehen. Insbesondere im Winterhalbjahr dreht sich fast jede zweite Beratung des Mietervereins, die Mängel zum Gegenstand hat, um Schimmelpilzbildung. Der Einbau neuer Fenster alleine bleibe deswegen häufig wirkungslos, weil die besondere Dichtigkeit der Fenster durch stark erhöhte Lüftungsanforderungen praktisch ins Leere laufe. Vermieter, die ihre Wohnungen weitgehend luftdicht abschließen, seien daher fast gezwungen, auch die Fassade zu dämmen, um Schimmelproblemen vorzubeugen. Der Kieler Mieterverein rät Vermietern dringend dazu, bei derart abgedichteten Häusern ihren Mietern klare Gebrauchsanweisungen mitzugeben, wie zu heizen und zu lüften ist. Ein kombiniertes Thermo-/Hygrometer sei für derartige Wohnungen praktisch Pflicht.

Und schließlich warnt der Kieler Mieterverein aus seiner Erfahrung heraus vor übertriebenen Erwartungen was die Energieeinsparung anbelangt. Modernisierungsmaßnahmen, die mit einer Energieersparnis zwischen 60 und 70 % angekündigt worden seien, haben sich in vielen Fällen bei der Überprüfung anhand realistischer Zahlen einige Jahre später als solche entpuppt, die eine Energieersparnis von maximal 30 % erbracht haben. Der Kieler Mieterverein will dies nicht klein reden - es bestehe aber die Gefahr, dass das Missverhältnis zwischen Mieterhöhung und Energieeinsparung durch allzu optimistische Ankündigungen noch weiter gespreizt werde. Nach Wahrnehmung des Kieler Mietervereins fielen Mieterhöhungen wegen energetischer Modernisierungsmaßnahmen in der Regel deutlich höher aus als der Energieeinspareffekt. Das beste Verhältnis zwischen Modernisierungsaufwand und eingesparter Heizenergie ergebe sich noch bei echten Energieschleudern, zumal dies auch häufig Häuser seien, bei denen die Fassade ohnehin instandsetzungsbedürftig sei. Deswegen warnt der Mieterverein Vermieter wie Mieter vor Wärmedämmmaßnahmen „um jeden Preis".

Verantwortlich: Jochen Kiersch, Kiel