Deutscher Mieterbund
Kieler Mieterverein e.V.

Kiel, den 30.05.2017

Erhebliche Mietzinssteigerungen beim neuen Kieler Mietspiegel

Die Landeshauptstadt Kiel legt den Gremien der Ratsversammlung den neuen Mietspiegel 2017 vor.

Die Mietpreissteigerungen gegenüber dem alten Mietspiegel von 2014 werden zum Teil ganz erheblich sein.

Aufgrund eines Methodenwechsels lassen sich die Unterschiede zwar nicht direkt mit den Tabellen aus 2014 vergleichen. Beispielsrechnungen der Stadt ergeben jedoch Steigerungen bis zu ca. 20%. Dennoch ist der Mietspiegel so wichtig wie nie, um unkontrollierte Preisentwicklungen zu bremsen.

Die Mieterinnen und Mieter Kiels werden folglich für ihre Wohnungen deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen als bisher.

Die teils drastischen Mietpreissteigerungen treffen aber auch in erheblichem Umfang den städtischen Haushalt auf dem Umweg über Transferleistungsbezüge.

Diese Entwicklung kommt jedoch keineswegs überraschend. Der Kieler Mieterverein hat in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass deutlich zu wenig Wohnungen im Stadtgebiet gebaut werden und Stadt sowie Wohnungswirtschaft aufgefordert, deutlich größere Anstrengungen im Wohnungsbau zu unternehmen.

Der Anfang 2015 verabschiedete Masterplan Wohnen sah eine Zielvorgabe von jährlich 800 neu zu errichtenden Wohneinheiten vor, wovon ein Drittel der Sozialbindung unterliegen sollte. Passiert ist trotz guter öffentlicher Rahmenbedingungen zu wenig.

Mit Ernüchterung muss man feststellen, dass diese von der Wohnungswirtschaft mitgetragene Vorgabe leider bislang deutlich verfehlt wurde. Im Jahr 2015 wurden lediglich 488 Wohneinheiten und davon nur 232 im Geschosswohnungsbau fertiggestellt. 2016 wurden lediglich 597 Baugenehmigungen im Geschosswohnungsbau erteilt, die erfahrungsgemäß nicht alle umgesetzt werden.

Solche Zahlen sind naturgemäß nicht geeignet, den Bevölkerungsanstieg von knapp 8.000 Einwohnern in der letzten drei Jahren aufzufangen.

Vor allem mangelt es an kleinen, preiswerten Wohnungen, was sich, da in diesem Segment die größte Nachfrage herrscht, leider an den hohen Mieten für diese Wohnungen im neuen Mietspiegel ablesen lässt.

Die Mitglieder des Sozialausschusses und der Ratsversammlung sind deshalb aufgefordert, den Mietspiegel zu bestätigen und gleichzeitig flankierende Maßnahmen zu ergreifen.

Um den derzeit unkontrollierten Mietenanstieg zu bremsen ist es notwendig, dass die Stadt Kiel für eine Aufnahme in die Schleswig-Holsteinische Kappungsgrenzen-Verordnung votiert und verstärkt eigene Anstrengungen im Wohnungsbau unternimmt.

Ebenso ist eine Nachbesserung bei der Mietpreisbremse seitens der Bundespolitik dringend erforderlich, um die Marktpreise sinnvoll zu regulieren.

Eine solche Regulierung des Wohnungsmarktes soll nicht von Dauer sein, muss diesen aber so lange sinnvoll flankieren, wie der Markt allein es nicht richten kann, was offensichtlich derzeit der Fall ist.

Wenn dem unkontrollierten Mietenanstieg nicht schleunigst mit den vorstehenden Maßnahmen begegnet wird, ist bereits jetzt absehbar, dass sich die Preisspirale der Kieler Mieten weiter rasant nach oben drehen wird.

Verantwortlich: Geschäftsführerin Heidrun Clausen und Geschäftsführer Carsten Wendt, Kiel