Deutscher Mieterbund
Kieler Mieterverein e.V.

Kiel, den 24.10.2014

Neuer Mietspiegel für Kiel
Neuer Betriebskostenspiegel für Kiel

Kiel - Die Landeshauptstadt hat den Mietspiegel 2014 vorgelegt. Demzufolge sind die Mieten gegenüber 2012 um 4,1 % (2012: 2,2 %) gestiegen. Diese Steigerung bewegt sich deutlich oberhalb der Inflationsrate, die im gleichen Zeitraum nur um 2,5 %  zugelegt hat. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Innerhalb der einzelnen Rasterfelder gibt es davon deutlich abweichende Entwicklungen: In 7 Feldern hat die Miete nachgegeben, aber in 24 Feldern ist sie dafür umso stärker gestiegen. Besonders auffällig: Normal ausgestattete Wohnungen der Baualtersklasse bis 1976  haben im Preis ausnahmslos zugelegt, und zwar in der Spitze bis zu 12 %. Besonders erschreckend: Das Rasterfeld C 5 hat um 15 % und das Rasterfeld  B 5 sogar um 24 % zugelegt. Es handelt sich dabei um Wohnungen der Baualtersklasse 1989 bis 2013 in einfacher Wohnlage. Alle sieben Rasterfelder, in denen die Mieten gesunken sind, betreffen besser ausgestattete Wohnungen der Baualtersklasse bis 1976. Der Mieterverein leitet daraus ab, dass Mieter lieber auf eine bessere Ausstattung verzichten, als eine höhere Miete in Kauf zu nehmen.

Die Systematik unseres Mietrechtes bringt es mit sich, dass der Anstieg in einem Rasterfeld zwangsläufig Mieterhöhungen nach sich zieht, während Senkungen in einzelnen Rasterfeldern günstigstenfalls Stagnation, nicht aber ein Absinken der Mieten für die betroffenen Mieterhaushalte mit sich bringen, weil Mieter keinen Rechtsanspruch auf eine Mietsenkung haben.

Vor diesem Hintergrund hält der Kieler Mieterverein seine Forderung nach Einbeziehung der Landeshauptstadt in die Kappungsgrenzenverordnung aufrecht. Dass Investoren deswegen in einen "Investitionsstreik" treten hält er für ein Ammenmärchen, das von der Wohnungswirtschaft schon seit Jahrzehnten immer wieder bemüht wird. Der aktuelle Anstieg der Baugenehmigungszahlen widerlegt dieses Märchen eindrucksvoll, und zwar auch auf Bundesebene. Nach Auffassung des Mietervereins zeigt die langfristige Mietenentwicklung nachdrücklich, dass der Mietenanstieg wenigstens für begrenzte Zeit gekappt werden muss. So sind die Mieten von 2004 bis 2006 noch um 2 % gesunken. Von 2006 bis 2008 sind sie bereits um 0,4 % und 2008 bis 2010 um weitere 0,1 % gestiegen. Seitdem legt der Mietenanstieg immer schneller zu: 2010 bis 2012 + 2,2 %, 2012 bis 2014 schon + 4,1 %. Nach Einschätzung des Mietervereins wird die Dynamik der Mietenentwicklung weiter zulegen, weil auch die Mangellage zunimmt. Selbst wenn die optimistische Annahme der Landeshauptstadt zutrifft, dass in 2014 rund 800 Wohnungen zum Neubau genehmigt werden, so werden davon allenfalls 720 auch tatsächlich baulich in Angriff genommen. Bis zu deren Bezugsfertigkeit vergehen noch gut zwei Jahre. Demgegenüber hatte die Landeshauptstadt im Jahre 2013 bereits einen Zuwachs von 1.700 Einwohnern, die alleine bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 1,72 Einwohnern rund 980 Wohnungen brauchen. Das Kieler Wohnungsdefizit wächst also, weswegen der Kieler Mieterverein für den Mietspiegel 2016 einen noch stärkeren Mietenanstieg prognostiziert.

Dies gilt umso mehr, als es politischer Wille ist, ältere Wohnungen zu modernisieren, altersgerecht anzupassen und energetisch nachzurüsten. Dies alles kostet viel Geld und wird die Mieten ohnehin steigen lassen. Gleichzeitig hat das Innenministerium preiswerte Sozialwohnungen auf den freien Markt (SHWoFG) entlassen. Deswegen ist der Verzicht auf den Schutz der Kappungsgrenzenverordnung gegen die Interessen der Kieler Mieterschaft gerichtet.

Der neue Mietspiegel kann unter www.kieler-mieterverein.de abgerufen werden.

Betriebskostenspiegel für Kiel neu aufgelegt

Zusammen mit dem Mietspiegel erhebt die Landeshauptstadt Kiel auch die durchschnittlichen Betriebskosten in der Stadt. Die Palette reicht von den Kosten der Grundsteuer über Wasser und Müll bis hin zu den Versicherungskosten, dem Fahrstuhl und dem Hausmeister. Wird der ganze Katalog der kalten Betriebskosten umgelegt, so fallen diese mit aktuell 1,97 € je Quadratmeter Wohnfläche im Monat an, entsprechend einer Steigerung um 3,1 % gegenüber dem Mietspiegel 2012. Damit steigen die Betriebskosten deutlich langsamer als die Nettomiete.

Der Betriebskostenspiegel ist ein vorzügliches Instrument, um zu überprüfen, ob die einem Mieterhaushalt in Rechnung gestellten Betriebskosten der Höhe nach im Rahmen liegen. Er erlaubt es, jede Betriebskostenart einzeln zu kontrollieren. Bei deutlichen Abweichungen nach oben sollten Belege und Verträge eingesehen werden, um den Ansatz näher zu überprüfen. Auch Quadratmeterangaben in einer Betriebskostenabrechnung sind regelmäßig der Nachprüfung wert. Der neue Betriebskostenspiegel kann unter www.kieler-mieterverein.de abgerufen werden.

Im Namen von Kiels Mieterschaft dankt der Mieterverein der Landeshauptstadt für die Bereitstellung des Miet- und des Betriebskostenspiegels.

Verantwortlich: Jochen Kiersch, Kiel