Deutscher Mieterbund
Kieler Mieterverein e.V.

Kiel, den 21.11.2012

Neuer Mietspiegel für Kiel
Neuer Betriebskostenspiegel für Kiel

Mietspiegel für Kiel neu aufgelegt

Die Landeshauptstadt hat den Mietspiegel 2012 vorgelegt. Demzufolge sind die Mieten gegenüber 2010 über alles um 2,2 % (2010: 0,7%) gestiegen. Diese Steigerung bewegt sich in etwa auf halber Höhe der Inflationsrate. Doch das ist auch nur die halbe Wahrheit. Innerhalb der einzelnen Rasterfelder gibt es deutliche Veränderungen im Preis: In 5 Feldern (2010: 15) hat die Miete nachgegeben, aber in 26 Feldern (2010: 18) ist sie teilweise kräftig gestiegen. Besonders auffällig: Gut ausgestattete Wohnungen der Baualtersklasse bis 1976 (Spalte 3) haben im Preis ausnahmslos zugelegt, und zwar in der Spitze bis zu 15 %. Drei von fünf Rasterfeldern, in denen die Mieten um 1 % bzw. 2 % gesunken sind, betreffen neuere Wohnungen der Baualtersklassen ab 1976 in normaler bis guter Wohnlage. Nur ein Rasterfeld der Wohnungen in einfacher Lage hat um 1 % nachgegeben. In diesem Rasterfeld befinden sich ältere Normalwohnungen in einer Größe zwischen 45 und 60 m². Der Mieterverein geht davon aus, dass dieser Rückgang auf verwahrloste Bestände von Finanzinvestoren zurückzuführen ist.

Die Systematik unseres Mietrechtes bringt es mit sich, dass der Anstieg in einem Rasterfeld zwangsläufig Mieterhöhungen nach sich zieht, während Senkungen in anderen Rasterfeldern günstigstenfalls Stagnation, nicht aber ein Absinken der Mieten für die betroffenen Mieterhaushalte mit sich bringen.

Einen weiteren Aspekt betrachtet der Mieterverein mit großer Sorge: Die Betriebskosten sind gegenüber 2010 um 8,4 % gestiegen. Vielfach schneller als die Inflationsrate. Dieser Anstieg hat verschiedene Ursachen: Bund, Land und Landeshauptstadt sind daran ebenso beteiligt wie Kiels Vermieter. Auf Bundesebene wirkt die Einführung neuer umlagefähiger Betriebskostenpositionen kostensteigernd – genannt seien die Trinkwasserverordnung und immer schärfere Anforderungen durch Nachrüstungspflichten bei Fahrstühlen. Auch die höheren Schornsteinfegerkosten haben einen Preisschub ausgelöst. Das Land hat den Mietern – gegen die ausdrücklichen Warnungen der Mieterorganisation – zusätzliche Wartungskosten bei den Rauchmeldern eingetragen und die Landeshauptstadt einen kräftigen Anstieg bei der Grundsteuer. Kiels Vermieter haben mehrheitlich keinerlei Interesse, Betriebskosten wirklich niedrig zu halten. Die Umlagefähigkeit von Betriebskostenpositionen veranlasst sie im Gegenteil Kosten zu verursachen, die geradezu widersinnig sind. So trifft der Mieterverein regelmäßig die Feststellung, dass in Kiel Versicherungsverträge gegen die Risiken von Vulkanausbrüchen, Lawinen, Erdrutschen und Erdbeben abgeschlossen werden, die – gebündelt in Elementarschadenversicherungen – einen erheblichen Teil zum Anstieg der Versicherungskosten beitragen. Gerne werden dabei auch im Schadensfalle Rückreisekosten des Vermieters aus dem Urlaub und dessen eigenes Mietausfallwagnis mitversichert.

Für Mieterhaushalte zählt nur, was am Ende als Wohnkostenbelastung anfällt. In der Bruttobetrachtung nehmen sich die Steigerungsraten des Mietspiegels 2012 deshalb noch sehr viel unerfreulicher aus als sie ohnehin schon sind. Dabei sieht man plötzlich eine Steigerung von knapp 4 % in zwei Jahren, wie der folgenden Tabelle zu entnehmen ist. Berücksichtigt sind alle umlagefähigen Betriebskosten, wie sie im Betriebskostenspiegel ausgewiesen sind, mit Ausnahme der Fahrstuhlkosten.

Miete /Jahr /Prozent

2010

2012

%

Nettomiete

5,43

5,55

2,2

Betriebskosten ohne Fahrstuhl

1,52

1,67

9,9

Bruttokaltmiete

6,95

7,22

3,9

Diese Steigerungsrate trifft in erheblichem Umfang auch den städtischen Haushalt auf dem Umweg über Transferleistungsbezüge. Sowohl für die Nettomieten, wie auch für die Betriebskosten, wie auch für die Heizkosten prognostiziert der Mieterverein einen weiteren spürbaren Anstieg.

Die Alarmglocken klingeln schon lange. In der Mietspiegel-Pressemitteilung 2010 hat der Mieterverein bereits darauf hingewiesen, dass die Stadt auf einen Wohnungsmangel zusteuert. Der zunehmende Abriss preiswerten Wohnraums verschärft die Situation (Schönbergerstraße, Moltkestraße, Gefionstraße, Gerhardstraße). Es werden dringend mehr kleine und preiswerte Wohnungen benötigt. Dies gilt umso mehr, als es politischer Wille ist, ältere Wohnungen zu modernisieren, altengerecht anzupassen und energetisch nachzurüsten. Dies alles kostet sehr viel Geld und wird die Mieten ohnehin steigen lassen. Gleichzeitig entlässt das Innenministerium preiswerte Sozialwohnungen auf den freien Markt (SHWoFG), hat die Landesregierung Mittel des Wohnraumzweckvermögens – eigentlich für die Wohnungsbauförderung gedacht – für die Krankenhäuser abgezweigt und schickt sich die Bundesregierung an, das Mietrecht zulasten der Mieter zu verschärfen (teilweiser Ausschluss des Mietminderungsrechts, erleichterte Kündigungsmöglichkeiten). Kiels neuer Oberbürgermeisterin steht eine schwere Aufgabe bei der Bewältigung der Wohnungsprobleme in der Landeshauptstadt bevor.

Der neue Mietspiegel kann hier abgerufen werden. Die neue Mietspiegelbroschüre werden wir in den nächsten Tagen einstellen.

Betriebskostenspiegel für Kiel neu aufgelegt

Zusammen mit dem Mietspiegel erhebt die Landeshauptstadt Kiel auch die durchschnittlichen Betriebskosten in der Stadt. Die Palette reicht von den Kosten der Grundsteuer über Wasser und Müll bis hin zu den Versicherungskosten, dem Fahrstuhl und dem Hausmeister. Wird der ganze Katalog der kalten Betriebskosten umgelegt, so fallen diese mit aktuell 1,80 € je Quadratmeter Wohnfläche im Monat an.

Der spürbare Rückgang der Betriebskosten im Jahre 2010 war wohl nur ein Ausreißer. Seitdem sind die Betriebskosten wieder kräftig gestiegen.

Spitzenreiter sind die Hausmeisterkosten mit 50 %, Kabel- und Antennenkosten mit 33 %, Kosten der Schnee- und Eisbeseitigung mit 33 % und die Hauswartskosten mit einem Anstieg von 27 %. Zwar verbergen sich hinter diesen Steigerungsraten nur kleine Cent-Beträge – multipliziert mit der Quadratmetergröße der Wohnung und hochgerechnet auf das Jahr bedeuten 0,15 €/m² im Monat für eine 65 m² große Wohnung Mehrkosten monatlich in Höhe von 9,75 € und jährlich von 117,- € alleine aus Betriebskostensteigerungen. Dabei ist noch nicht einmal der steile Anstieg der Heiz- und Warmwasserkosten berücksichtigt.

Der Betriebskostenspiegel ist ein vorzügliches Instrument, um zu überprüfen, ob die einem Mieterhaushalt in Rechnung gestellten Betriebskosten der Höhe nach im Rahmen liegen. Er erlaubt es, jede Betriebskostenart einzeln zu kontrollieren. Bei deutlichen Abweichungen nach oben sollten Belege und Verträge eingesehen werden, um den Ansatz näher zu überprüfen. Auch Quadratmeterangaben in einer Betriebskostenabrechnung sind regelmäßig der Nachprüfung wert.

Der neue Betriebskostenspiegel kann hier abgerufen werden.

Im Namen von Kiels Mieterschaft dankt der Mieterverein der Landeshauptstadt für die Bereitstellung des Miet- und des Betriebskostenspiegels.

Verantwortlich: Jochen Kiersch, Kiel