Deutscher Mieterbund
Kieler Mieterverein e.V.

Kiel, den 19.07.2000

Heizspiegel 1998 vorgelegt

Nach langer Vorarbeit konnte nunmehr der Heizspiegel 1998 für die Landeshauptstadt Kiel vorgelegt werden. Er kann kostenlos beim Kieler Mieterverein, Eggerstedtstr. 1, 24103 Kiel, während der Bürozeiten abgeholt werden (montags bis freitags von 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr, dienstags und donnerstags zusätzlich von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr). Gegen Voreinsendung von DM 3,00 - gegebenenfalls auch in Briefmarken - schickt der Kieler Mieterverein das Tabellenwerk auch gerne zu.

Auch der Heizspiegel 1998 beruht auf einer sehr breiten Datenbasis. Es wurden die Heizkostenabrechnungen von 1.898 Wohnungen ausgewertet, um ein statistisch einwandfreies Tabellenwerk vorlegen zu können. Damit kann praktisch jeder Haushalt eines Mehrfamiliengebäudes mit Zentralheizung ab einer Gebäudegröße von 100 Quadratmetern für die Energieträger Öl, Gas und Fernwärme den Heizungsverbrauch und die Heizungskosten seines Gebäudes mit dem Kieler Durchschnitt vergleichen. Dies alles ist sogar getrennt für Gebäude mit und ohne zentrale Warmwasserbereitung möglich. So liegen beispielsweise die Heizkosten des Jahres 1998 für ein ölbeheiztes Gebäude mit zentraler Warmwasserversorgung und einer Größe zwischen 250 und 500 Quadratmetern optimal unter 10,00 DM pro Quadratmeter, durchschnittlich zwischen 10,00 DM und 13,20 DM pro Quadratmeter, erhöht zwischen 13,20 DM bis 18,20 pro Quadratmeter und extrem hoch, wenn sie über diesem Wert liegen. Dabei sind es gerade die Hochverbraucher, für die der Kieler Mieterverein sich interessiert, weil gerade im Bereich der Raumwärme eine deutliche Reduzierung des klimaschädigenden Treibhausgases CO2 erzielbar ist und einen wirksamen Beitrag für Umwelt und Klimaschutz leisten kann. Der Kieler Mieterverein ist daran interessiert, mit Mietern und Vermietern in Hochverbrauchsgebäuden ins Gespräch zu kommen, um auf eine warmmietenneutrale Reduzierung der Energiekosten hinzuwirken mit dem Ziel, dass die Mieter von eingesparten Heizkosten profitieren, die höher sein sollten als die durch die Modernisierung anstehende Mieterhöhung. Auch der Vermieter soll von dieser Maßnahme profitieren durch eine höhere Miete und eine bessere Bausubstanz. Wenn das Ganze auf dem Kieler Arbeitsmarkt Arbeitsplätze im Handwerk sichert und bei alledem ein Gewinn für die Umwelt herausspringt, kann es eigentlich kein vernünftiges Argument gegen eine wärmetechnische Gebäudesanierung geben. Dazu ein Beispiel: Wer in einem 500 Quadratmeter großen Gebäude eine Heizanlage mit einem Investitionsaufwand von 15 Tausend DM erneuert, könnte der Energieverbrauch von 15 Tausend Liter auf 10 Tausend Liter Heizöl sinken und eine Kostenersparnis von ca. 2.500,00 DM eintreten. Die Modernisierung der Heizungsanlage bezahlen die Mieter über die Modernisierungsumlage mit 1.650,00 DM im Jahr, im Gegenzug sparen sie 2.500,00 DM an Heizkosten ein. Die Einsparung von 5 Tausend Liter Heizöl vermindert den CO2 -Ausstoß jährlich um 14 Tonnen. Für die Zukunft rechnet der Kieler Mieterverein im Übrigen mit einer wesentlich besseren Bilanz angesichts deutlich gestiegener Energiepreise.

Von der kontinuierlichen Fortschreibung des Heizspiegels erhofft sich der Kieler Mieterverein im Übrigen ein steigendes Verbrauchs- und Kostenbewusstsein im Bereich Raumwärme bei Mietern und Vermietern. Die Resonanz auf die Gesprächsangebote des Mietervereins bei den Hochverbrauchern des Jahres 1997 war bisher leider eher ernüchternd; eine große private Siedlungsbaugesellschaft in Kiel bedauerte, auf die Mitarbeit des Mietervereins "verzichten zu müssen", ein anderes großes Unternehmen räumte ein, dass Handlungsbedarf besteht, dass der Wirtschaftsplan der Gesellschaft eine Sanierung dieses Hauses zur Zeit aber noch nicht vorsehe. Ein privater Vermieter hat seinen Anwalt losgeschickt und eine große Kieler Hausverwaltung hält die ganze Aktion "Klimaschutzstadt Kiel" für völlig überflüssig, solange sich die Liegenschaften, die im Eigentum der Landeshauptstadt Kiel stehen, in desolatem Zustand befinden. Der Heizspiegel und seine Fortschreibungen sind ein gutes Instrument, um hier Überzeugungsarbeit (sicher auch bei der Stadt) zu leisten. Nicht umsonst ist im Rahmen der Verleihung des Kieler Umweltpreises 2000 das Projekt des Kieler Mietervereins anerkennend gewürdigt worden.

Auch wenn der Heizspiegel in der mietrechtlichen Auseinandersetzung sicher ein gutes Instrument ist, um sachbezogen und fundiert Energieverbräuche miteinander vergleichen zu können, versteht der Kieler Mieterverein das Projekt nicht als Kampfmittel in der Auseinandersetzung zwischen Mietern und Vermietern. Der Heizspiegel und der damit angestrebte Klimaschutz sind auf Konsens angelegt. Vermieter und Vermieterverbände sind herzlich eingeladen daran mitzuwirken.

Das vom Umweltbundesamt geförderte Projekt hält im Übrigen noch ein zusätzliche Bonbon bereit: Wer eine Kopie seiner Heizkostenabrechnung 1998 an den Kieler Mieterverein schickt, erhält dafür ein kostenloses, aber sehr aussagekräftiges Kurzgutachten von der ArbeitsGruppeEnergie in München, die das Projekt entwickelt hat und die vorhandenen Heizspiegel im Bundesgebiet betreut.

Die Sprechstunde des Kieler Mietervereins findet montags bis freitags von 9.00 - 13.00 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15.00 - 18.00 Uhr in der Geschäftsstelle 24103 Kiel, Eggerstedtstr. 1, statt. Fernmündlich ist der Verein unter 0431/97919-0 zu erreichen. Für die Inanspruchnahme der Leistungen des Kieler Mietervereins ist eine Mitgliedschaft erforderlich.

Verantwortlich: Jochen Kiersch, Kiel