Deutscher Mieterbund
Kieler Mieterverein e.V.

Kiel, den 10.10.2002

Kieler Mieterverein begrüßt neuen Mietspiegel

"Qualität hat ihren Preis" könnte die Überschrift für den neuen Mietspiegel sein; nach Auffassung des Kieler Mietervereins ist es kein Zufall, dass sich Steigerungen des neuen Mietspiegels im Wesentlichen auf qualitativ bessere Wohnungen konzentrieren, während die "maustaubengrauen" Durchschnittswohnungen (Spalte 1 des Mietspiegels) auf breiter Front und in der Spitze bis zu 9 Prozent nachgegeben haben.

Im Einzelnen: Als erfreulich bezeichnet der Kieler Mieterverein die Tatsache, dass das Mietgefüge insgesamt um 1,55 Prozent gesunken ist gegenüber einer Steigerung von immerhin noch 6,6 Prozent, die der Mietspiegel 2000 ausgewiesen hatte. Warnend weist der Kieler Mieterverein allerdings darauf hin, dass dieses erfreuliche Ergebnis nicht als Zustandsbeschreibung missverstanden werden darf; die besondere Systematik der Mietspiegel bringt es mit sich, dass nur die in den letzten 4 Jahren neu vereinbarten Mieten in die Tabelle einfließen. Dies bedeutet aber auch, dass die in den Jahren vor 1999 vereinbarten besonders hohen Mieten keine Berücksichtigung mehr gefunden haben, so dass das Mietgefüge dadurch insgesamt deutlich gesunken ist. Eine genauere Betrachtungsweise zeigt indessen, dass die Neuvermietungsmieten wieder deutlich anziehen; sie sind mit durchschnittlich EURO 5,78/m² in den Mietspiegel eingeflossen und liegen damit rund 1 Prozent höher als die Durchschnittsmiete von EURO 5,72/m². Die Neuvertragsmieten von heute sind aber die Bestandsmieten von morgen, so dass die Tendenz des Mietspiegels 2004 schon vorgegeben ist. Nach Auffassung des Kieler Mietervereins wird der Mietspiegels 2002 auf absehbare Zeit der einzige bleiben, der sich in der Summe durch negative Steigerungsraten auszeichnet.

Und noch eine Erkenntnis lässt sich aus dem neuen Mietspiegel ableiten: Der unübersehbare Trend zur qualitativ höherwertigen Wohnung wird die Vermieter von "Normalwohnungen" in Zugzwang bringen. Der Kieler Mieterverein rechnet in den nächsten Jahren mit einer erheblichen Modernisierungs- und Sanierungswelle, die weder für Mieter, noch für Vermieter zum Nulltarif zu haben sein wird und das Potential für kräftige Mietsteigerungen in sich birgt. Darüber hinaus geht Modernisierung und Sanierung erfahrungsgemäß häufig mit der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen einher, womit zugleich die Gefahr einer neuen Welle von "Mieterverdrängung" durch Umwandlung wächst.

Die gegen Null tendierende Neubautätigkeit bei (neuerdings) stabilen Einwohnerzahlen wird den moderaten Leerstand weiter abbauen vor dem Hintergrund von Wohnungsverlusten durch Abriss, Zusammenlegung und Modernisierung mit weiter wachsenden Wohnflächen. Auch hieraus resultiert ein beachtliches Steigerungspotential für die Mietenentwicklung. Ein Grund mehr, sich über das jetzige Ergebnis erst einmal zu freuen.

Bei dieser Gelegenheit spricht der Kieler Mieterverein einen ausdrücklichen Dank an die Landeshauptstadt Kiel aus: Der Kieler Mietspiegel ist ein sinnvolles und nützliches Instrument für Mieter und Vermieter, trägt zur Befriedung der Mietverhältnisse bei, entlastet die Gerichte und schafft Markttransparenz. Ganz nebenbei nützt er auch der Stadt in Gestalt der Tatsache, dass die durch Sozialhilfe subventionierten Mieten nicht in den Himmel steigen.

Verantwortlich: Jochen Kiersch, Kiel